Eine Schnittstelle zwischen Shopware und einem ERP-System verbindet den digitalen Vertrieb mit Warenwirtschaft, Einkauf, Logistik, Finanzbuchhaltung und Kundenservice. Für mittelständische Unternehmen ist sie damit keine technische Nebenaufgabe, sondern ein zentraler Bestandteil stabiler und skalierbarer E-Commerce-Prozesse.
Microsoft Dynamics NAV, früher auch Navision genannt, ist 2026 als Produktbezeichnung historisch einzuordnen. Der aktuelle Nachfolger ist Microsoft Dynamics 365 Business Central. Unternehmen mit einer bestehenden NAV-Installation können Shopware weiterhin anbinden, sollten die Integration aber mit ihrer Migrations- und Modernisierungsstrategie abstimmen.
Shopware und Dynamics NAV beziehungsweise Business Central

Shopware 6 stellt Funktionen für Produktdarstellung, Warenkorb, Checkout, Kundenkonten, Bestellungen und digitale Vertriebskanäle bereit. Je nach Betriebsmodell kann die Plattform als Cloud-Lösung oder in einer selbst verwalteten Umgebung eingesetzt werden. Erweiterungen, APIs und ereignisbasierte Mechanismen ermöglichen die Anbindung externer Systeme.
Business Central bildet dagegen betriebswirtschaftliche Kernprozesse ab. Dazu gehören unter anderem Artikel- und Bestandsführung, Einkauf, Verkauf, Lager, Finanzwesen sowie Auswertungen. Welche Funktionen tatsächlich genutzt werden können, hängt von Edition, Lizenzierung, Konfiguration und ergänzenden Branchenlösungen ab.
Dynamics NAV erfüllt in Bestandsumgebungen häufig noch dieselbe Rolle. Eine neue Integration sollte dennoch nicht unreflektiert auf veralteten NAV-Technologien aufbauen. Sinnvoll ist eine Architektur, die den späteren Wechsel zu Business Central unterstützt und individuelle Eingriffe in den ERP-Kern möglichst begrenzt.
- Shopware steuert das Einkaufserlebnis und die Interaktion mit Onlinekunden.
- Business Central oder NAV verwaltet die kaufmännischen und logistischen Folgeprozesse.
- Die Schnittstelle sorgt für einen kontrollierten, nachvollziehbaren Datenaustausch.
Welche Daten und Prozesse die Schnittstelle abbilden sollte
Vor der technischen Umsetzung muss festgelegt werden, welches System für welche Daten führend ist. Ohne diese Zuordnung entstehen widersprüchliche Preise, doppelte Kunden, unklare Bestände oder fehlerhafte Auftragsstatus. Ein belastbares Integrationskonzept definiert deshalb Datenverantwortung, Übertragungsrichtung, Zeitpunkt und Regeln für Konfliktfälle.
In vielen Projekten ist das ERP führend für Artikelnummern, Bestände, Preise, steuerliche Merkmale und kaufmännische Belege. Shopware kann dagegen die führende Quelle für verkaufsorientierte Inhalte wie Kategorisierung, Suchbegriffe, Erlebniswelten oder kanalspezifische Produkttexte sein. Die konkrete Aufteilung richtet sich nach Organisation, Sortiment und vorhandener Systemlandschaft.
- Artikelstammdaten, Varianten, Einheiten und Merkmale
- Preise, Preislisten, Kundengruppen, Rabatte und Aktionsregeln
- Lagerbestände, Reservierungen und Verfügbarkeiten
- Kunden, Adressen, Einwilligungen und B2B-Kontoinformationen
- Aufträge, Positionen, Zahlarten, Steuern und Versandkosten
- Lieferstatus, Sendungsnummern, Stornierungen, Retouren und Gutschriften
Nicht jedes Datenfeld muss in beide Richtungen synchronisiert werden. Häufig ist ein gerichteter Datenfluss einfacher und robuster. Kritische Prozesse wie Bestandsreservierung, Teilversand, Retouren oder nachträgliche Auftragsänderungen benötigen jedoch eindeutige Statusmodelle und eine sorgfältige Behandlung von Sonderfällen.
Integrationsarchitektur für Cloud, SaaS und Bestandsbetrieb
Shopware und Business Central bieten moderne Integrationsmöglichkeiten über dokumentierte Programmierschnittstellen. Abhängig vom Anwendungsfall kommen APIs, Webhooks, geplante Synchronisationsläufe oder eine Integrationsplattform zum Einsatz. Erweiterungen in Business Central sollten nach Möglichkeit über das vorgesehene Extension-Modell umgesetzt werden, statt den Anwendungskern direkt zu verändern.
Eine direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindung kann bei überschaubaren Anforderungen genügen. Steigt die Zahl der Vertriebskanäle, Lager, Marktplätze, Zahlungsdienste oder Logistiksysteme, bietet sich eine Middleware beziehungsweise eine Integrationsplattform an. Sie kann Daten transformieren, Übertragungen protokollieren, Fehler erneut verarbeiten und mehrere Systeme entkoppeln.
- Synchron: geeignet, wenn Shopware unmittelbar eine Antwort benötigt, etwa bei bestimmten Verfügbarkeitsprüfungen.
- Asynchron: geeignet für Aufträge, Stammdaten oder Statusmeldungen, die über Warteschlangen belastbar verarbeitet werden sollen.
- Ereignisbasiert: sinnvoll, wenn Änderungen zeitnah eine Folgeaktion in einem anderen System auslösen.
- Geplant: zweckmäßig für weniger zeitkritische Daten oder kontrollierte Sammelverarbeitungen.
Bei Cloud- und SaaS-Architekturen müssen Authentifizierung, Mandantentrennung, API-Grenzen, Verfügbarkeit und Updatefähigkeit berücksichtigt werden. Für eine lokale NAV-Installation kommen zusätzlich Netzwerkfreigaben, sichere Übergänge zur Cloud und möglicherweise ältere Schnittstellentechnologien hinzu. Ein hybrides Szenario benötigt daher meist mehr Betriebs- und Sicherheitsplanung als eine durchgängig moderne Cloud-Architektur.
